Mit Tabea Rößner: Besichtigung des Bundesarchiv-Standorts Hoppegarten (DA)

Am 25. November hatten mein Kollege Alexander Zöller und ich Gelegenheit, MdB. Tabea Rößner bei einer Besichtigung des Filmmagazins und des Kopierwerkes des Bundesarchivs in Hoppegarten zu begleiten. Die medienpolitische Sprecherin der GRÜNEN-Bundestagsfraktion wurde Bundesarchiv-seitig vom Leiter der Abteilung Archivtechnik, Dr. Sebastian Barteleit, dem Leiter der Abteilung Film, Karl Griep, dem Referenten für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Karsten Christian, und dem Leiter ders Referates für Filmrestaurierung und -konservierung, Egbert Koppe, empfangen. Koppe führte anschließend mit der Expertise des langjährigen Technikers durch die Anlage.

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Tabea Rößner, Sebastian Barteleit, Dirk Alt und Karsten Christian bei der Besichtigung eines Nitrofilm-Bunkers.

Im Februar dieses Jahres war Tabea Rößner die erste Politikerin gewesen, die sich öffentlich zur Ankündigung des Bundesarchivs äußerte, seine analogen Kopierwerke zu schließen. Rößner kritisierte diesen Schritt als „erschreckend kurzsichtig, weil der sogenannte Rollfilm das bisher einzige Trägermaterial ist, dessen langfristige Aufbewahrung bereits erprobt ist und die rein digitale Sicherung mit unbekannten Risiken und hohen Kosten verbunden ist.“ (Siehe hier.) Inzwischen ist das Koblenzer Kopierwerk des Bundesarchivs außer Betrieb – in Hoppegarten wird jedoch nach wie vor Film auf Film gesichert. Die Anlage hatte vor Rößner bereits der medienpolitische Sprecher der Linksfraktion Harald Petzold besichtigt, der sich ebenfalls für den Erhalt des Kopierwerks einsetzt.

Die Besichtigung begann im Nitrofilm-Spezialmagazin, das vierzig Kammern à 2.000 Büchsen umfasst. Hier erkundigte sich Rößner eingehend nach Sicherheitsvorkehrungen und Materialeigenschaften. Ihre Frage, ob Nitrofilme nach wie vor systematisch kassiert würden, wurde mit einem klaren Nein beantwortet. Anschließend führte Koppe durch verschiedene Arbeitsräume, in denen Archivmaterialien für die Umkopierung vorbereitet werden, und erläuterte die bei Dunkelheit arbeitende Kopiermaschine sowie die einen ganzen Raum ausfüllende Entwicklungsmaschine: beides viele Jahrzehnte alte Konstruktionen, die den Bedürfnissen des Bundesarchivs entsprechend umgerüstet wurden. Koppe machte hierbei deutlich, dass auch im Fall der beabsichtigten Umstellung auf eine rein digitale Sicherung ein Großteil der analogen Arbeitsprozesse (Säubern, Entschimmeln, Restaurieren von Materialien etc.) und mithin auch das erforderliche Handwerk erhalten blieben. Bei der Frage der Digitalisierung angekommen, stellte Rößner die Frage, inwieweit spezifische Eigenschaften des Ausgangsmaterials hierbei verloren zu gehen drohten. Koppe wies darauf hin, dass zwar technisch die Möglichkeit bestünde, den gesamten Filmstreifen einschließlich Perforation „edge-to-edge“ zu digitalisieren, dass es jedoch keinen Scanner gebe, der sämtliche aus Archivsicht gegebene Bedürfnisse befriedige. Auf dem Markt würden Scanner „zu ruinösen Preisen“ angeboten, es gebe „Massen von Scannern im Niedrigpreis-Niveau“, wohingegen es „im High-End-Bereich kritisch“ sei, da hier kein Massenabsatz zu erwarten ist.
Eine weitere Frage Rößners galt der Aufbewahrung originalen Rohmaterials, Schnittresten und nicht-verwendeter Szenen. Karl Griep erklärte, dass das Bundesarchiv Restmaterial aus der Zeit vor 1945 grundsätzlich aufhebe. Für spätere Jahrzehnte nähme das Bundesarchiv Bewertungen vor, die Griep an zwei Beispielen erläuterte: einerseits am Beispiel eines Jugendsportfilms aus den 60er Jahren, der verschiedene athletische Disziplinen zeige und archiviert worden sei; vom Restmaterial habe man sich aber getrennt. Andererseits am Beispiel einer Produktion des Bundespresseamtes, die eine Schulklasse im Gespräch mit Helmut Schmidt zeige; in diesem Fall habe er die Aufbewahrung des Restmaterials angeordnet, da der Frage, was in die veröffentlichte Fassung gelangt sei und was nicht, für die heutige Öffentlichkeit von Interesse sein könnte.

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Rößner, Karl Griep und Egbert Koppe.

Bei der Besichtigung der Kopieranlagen kam die Frage des zukünftigen Bezugs von Rohfilm auf. Koppe und Barteleit erklärten, dass Rohfilm weiterhin produziert würde und dass das Bundesarchiv Neumaterial vorzugsweise im Rahmen langfristiger Verträge erwerbe; es sei allerdings technisch nicht möglich, vorsorglich große Mengen Rohfilmmaterial zu erwerben und langfristig einzulagern, um auch in zehn oder zwanzig Jahren noch darauf zurückgreifen zu können.
Als Mangel des Kopierwerkes wurde die Beschränkung auf Schwarz-Weiß-Kopierung deutlich. Zwar lassen sich auch mittels Schwarz-Weiß-Kopierung Farbfilme originalgetreu sichern (durch Anfertigung von drei Farbauszügen), doch erteilte Barteleit dieser Option unter Verweis einerseits auf die Verdreifachung der Kosten, andererseits auf den Platzbedarf eine Absage. Zu den fehlenden Lagerkapazitäten äußerte er sich noch zu einem späteren Zeitpunkt (siehe unten).
Für den weiteren Erhalt des Kopierwerks nannte Koppe vor allem zwei Hürden: erstens der apparative Verschleiß – so sei der Markt zwar im Moment mit Apparaten aus insolventen Kopierwerken gesättigt, doch werde dieser Zustand nicht unbegrenzt anhalten. Zum zweiten fehle es an Personal: So sei die mangelnde Auslastung des Kopierwerks nicht darauf zurückzuführen, dass nicht ausreichend Kopieraufträge im Haus gegeben werden könnten (im Gegenteil gäbe es genügend Materialien, die auf die Kopierung warteten), sondern darauf, dass nicht ausreichend Personal zur Verfügung stünde, um die Filme für die Kopierung zu restaurieren und vorzubereiten. Für den jetzt eingeschlagenen Weg der digitalen Sicherung sei es erforderlich, die bislang mit Analogkopierung befassten Mitarbeiter auf das Digitale umzuschulen.
Wenn das Bundesarchiv in Zukunft analog und digital sichern würde, erklärte Koppe, benötige er nicht weniger als zehn Stellen zusätzlich, allein um das Kopierwerk weiter zu betreiben. Auch mit diesen zusätzlichen zehn Stellen sei es jedoch nicht möglich, die mangelnde Arbeitsauslastung des Kopierwerks zu beheben, sondern lediglich den Status Quo aufrecht zu erhalten. Die Maschinen zeitweise außer Betrieb zu setzen, stoße in der Praxis zum Teil auf Schwierigkeiten: so dürfe die Entwicklungsmaschine nicht zu lange untätig sein, da sonst die Bäder kippten.
Auch Barteleit stellte kurz und bündig klar, viele Aufgaben scheiterten an „Personalressourcen, die wir nicht haben“. Er brachte aber auch einen anderen Engpass ins Spiel, nämlich den auf dem Gebiet der Lagerkapazitäten. Dies beträfe, wie er auf Nachfrage erklärte, auch das Nitrofilmmagazin, das zwar zurzeit nicht voll ausgelastet sei, doch käme es immer wieder vor, dass dem Bundesarchiv die Übernahme von Nitrofilm-Bestände angetragen würde.

Leider ließ der gedrängte Terminplan Rößners keine Zeit für ein abschließendes Resümee. Deutlich wurde jedoch eines: dass Mittel und Personal des Bundesarchivs, in diesem Fall der Abteilung Archivtechnik, erheblich verstärkt werden müssen, wenn unser Filmerbe innerhalb der bestehenden Strukturen in die Zukunft gerettet werden soll.

 

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Rößner, Koppe und Barteleit an der Entwicklungsmaschine.

 

Fotos: Alexander Zöller