Aus unserer Lobbyarbeit: Mit Doris Achelwilm (DIE LINKE) im Bundesarchiv-Filmarchiv (DA)

Am 22. Juni stattete Doris Achelwilm, medienpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, dem neuen Dienstort des Bundesarchiv-Filmarchivs in Lichterfelde einen Besuch ab und ließ sich von Abteilungsleiter Karl Griep analoge und digitale Filmdokumente vorführen.

Doris Achelwilm und Karl Griep (Foto: Dirk Alt)

DIE LINKE gehört zu den Parteien, die sich in der Vergangenheit besonders für den Erhalt der analogen Kopiertechnik in Deutschland eingesetzt haben, was 2016 im Besuch des damaligen medienpolitischen Sprechers der Linksfraktion, Harald Petzold, im bundeseigenen Schwarz-Weiß-Kopierwerk in Berlin-Hoppegarten zum Ausdruck kam. Nachdem Petzold der Wiedereinzug in den Bundestag nicht gelang, bekleidet nun Doris Achelwilm das Amt der medienpolitischen Sprecherin. Dank der Vermittlung von Imke Elliesen-Kliefoth, Referentin für Kultur- und Medienpolitik der Linksfraktion, konnte ein Gesprächs- und Filmsichtungstermin im neuen Dienstort der Abteilung Filmarchiv des Bundesarchivs in Lichterfelde anberaumt werden, den wir an dieser Stelle punktuell dokumentieren; für die Wochenzeitung der Freitag wird Matthias Dell berichten, der sich unserer Gruppe angeschlossen hatte.

Das Treffen am 22. Juni bot nicht nur Gelegenheit zur Besichtigung analog und digital gesicherter Filmdokumente, sondern vor allem einen Anlass zum vertieften Austausch zwischen Doris Achelwilm, ihren Begleitern und Abteilungsleiter Karl Griep, wobei ein breites Spektrum der Filmerbe-relevanten Fragen angeschnitten und diskutiert wurde. Als Anschauungsmaterial lag, passend zum laufenden Weimar-Projekt des Bundesarchivs, eine Reihe 35-mm-Materialien zur Geschichte der Arbeiterbewegung bereit; allerdings erwies sich der Diskussionsbedarf als so groß, dass letztlich nur zwei Filmdokumente gesichtet werden konnten. Diese beiden allerdings waren in mehrfacher Hinsicht komplementär: zunächst eine 35-mm-Kopie des Films „München im Zeichen der Räterepublik“ (1919), der Aufnahmen der „Roten Armee“ in der bayerischen Hauptstadt und in deren Umland enthält – und anschließend ein über die Online-Filmothek des Bundesarchivs abgerufenes Digitalisat eines Filmdokuments, das den Einzug der Freikorps in München unmittelbar nach der Niederschlagung der Räterepublik zeigte.

Foto: Doris Achelwilm

Die Gegenpole analog-digital bestimmten dann auch in weiten Teilen die Diskussion, die sich entspann. „Wir heben alles auf im Original“, stellte Karl Griep auch mit Blick auf die Beendigung der systematischen Nitrofilmkassation durch das Bundesarchiv klar, „aber wir sichern konservatorisch digital“. Angesprochen auf die Tragfähigkeit dieser ausschließlich digitalen Strategie, bekundete Griep seine Auffassung, das Digitale sei „sicher“: Die „erheblichen Datenmengen“, die anfielen, würden auf verschiedene Server verteilt, um Ausfällen vorzubeugen. Mit Blick auf die Vorbehalte gegen eine rein digitale Archivierung äußerte Griep seine Auffassung, dass die immer wieder zitierte Studie „The Digital Dilemma“ veraltet sei, und verwies auf die Kosten, die für die analoge Archivierung anfielen (Klimatisierung etc.). Auch müsse berücksichtigt werden, dass zum Erhalt der technischen Apparate benötigte Ersatzteile inzwischen kaum noch erschwinglich seien. Der Übergang zum Digitalen werde, so Grieps Prognose, „unsere Kulturen stärker verändern als der Übergang von der mündlichen zur schriftlichen Überlieferung“. Er brachte sein Vertrauen darin zum Ausdruck, dass, selbst wenn die zur Herstellung von Speichermaterie erforderlichen Rohstoffe verknappten, „technisch neue Wege“ gefunden werden würden, um das Digitale zu erhalten.

Doris Achelwilm erkundigte sich nach der unterschiedlichen Materialästhetik von digitalen und analogen Filmen, was Griep mit dem Verweis beantwortete, dass der Seheindruck von Filmen von zahlreichen physikalischen Faktoren abhinge, so etwa von der Temperatur, die sich auf die Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Auges auswirke. Mehrere Nachfragen galten dem aktuellen Stand des Kopierwerks in Hoppegarten. Dieses sei zwar nach wie vor in Betrieb; Griep bestätigte jedoch die Annahme, dass die dort noch vorhandenen Rohfilm- und Chemikalienbestände sukzessive aufgebraucht würden. Auf Nachfrage erklärte er, dass farbige Materialien, die früher extern bearbeitet wurden (Hoppegarten war zur Farbkopierung technisch nie in der Lage), zum jetzigen Zeitpunkt bereits nur noch digital gesichert würden.

Von links nach rechts: Imke Elliesen-Kliefoth, Doris Achelwilm, Karl Griep, Matthias Dell (Foto: Dirk Alt)

Zum Abschluss des zweistündigen Gespräches bekundete Achelwilm ihr Interesse an der Fortführung des Dialogs, zu dem sich Griep ebenfalls gerne bereiterklärte.

Unser Fazit: In verschiedener Hinsicht hatte das Gespräch Modellcharakter. Wir hoffen, dass auch andere mit dem Thema befasste Parlamentarier den Schritt zum direkten Dialog mit den Archiven und der Fachöffentlichkeit wagen, und werden unsererseits nicht versäumen, auch weiterhin offensiv für diese Möglichkeit zu werben.