FAIRE DE CHI CHIS – Sector 16

FAIRE DE CHI CHIS

16mm s/w & Farbe 4 min. (2000)

Von Klaus Weingarten / Andreas Zech. Darsteller: Cynthia Krell, Annette Szendera, Klaus Weingarten

Am Anfang des Filmes verwendeten wir s/w Printfilm als Aufnahmemedium, Material, das man eigentlich nicht in der Kamera, sondern nur zur Anfertigung von Kopien im Labor verwendet, da es für die Kamera als zu lichtunempfindlich gilt. Der Reiz besteht aber gerade in der geringen Schwelle zwischen weiss und schwarz.

Die Aufnahmen mit dem Fackellicht entstanden als doppelt belichtete Farbaufnahmen auf Kodak-Material ohne Veränderung des Kamerastandpunktes, welche dann im Kopierwerk entwickelt worden sind. Von diesem Muster wurden von Hand im russischen Entwicklungstank kontrastreiche s/w-Kopien und Negativmaterial erstellt, teilweise mit Hilfe der Kopiermaschine, manchmal nur durch Übereinanderlegen der Filmstreifen mit dem unbelichteten Material mittels einer Taschenlampe als Belichtungsquelle.

Wir haben im Jahr 2000 zu dem Film folgendes in poetischer Weise geschrieben:

„Es ging nicht unbedingt darum, Traumbilder zu schaffen, sondern eher träumerisch zu filmen und zu hoffen, dass sich auf dem Filmstreifen Spuren der anderen Dimension wiederfinden. Der Bildinhalt wird zum Ritual, der Kanal wird geöffnet und der göttliche Funke manifestiert sich auf dem Zelluloid, wenn die Kommunikation funktioniert. Das Material bezeugt Kontakte, als Skizze vorerst geschnitten, damit es atmen kann und nicht begraben wird. Denn nach der Projektion dient es zur Vertiefung der gemachten Kontakte.“

Die Kosten für den Film betrugen damals insgesamt etwa 1000,- (DM).

Still faire de chi chis

Über Sector 16

Im Jahr 1992 wurde der Filmverein Sector 16 von sieben Meisterschülern der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig gegründet, verfügt somit über eine relativ lange Tradition in der Vermittlung von Film in der Bildendenden Kunst und stand damals ganz am Anfang einer internationalen Bewegung, von der Industrie unabhängige Filmwerkstätten zu gründen, von denen mittlerweile 36 Labore weltweit existieren und miteinander in Verbindung stehen.

2003 folgte dann die zweite Generation, wiederum Meisterschüler der HBK Braunschweig, die in der Folgezeit das Thema Film und Bewusstsein in den Mittelpunkt gestellt haben, wodurch die künstlerische Arbeit mit 16 mm – Film bereichert werden sollte. Über die – dank eigenem Labor – unabhängige 16 mm – Filmproduktion hinaus organisiert der Verein Veranstaltungen, wie z.B. Workshops, Symposien und Filmprogramme im Kino im Künstlerhaus oder im Sprengel-Kino in Hannover und bildet regelmässig Praktikanten aus.

Das Kolloquium für GEISTbewegenden Film markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur “Organisation zur Umwandlung des Kinos”. Seit dem Jahr 2010 wurde der Filmverein in “Organisation zur Umwandlung des Kinos e.V.” benannt, eine Art Dachorganisation, die Sector 16 wirtschaftlich trägt. Der Name Sector 16 für das Labor und die Filmwerkstatt bleibt auch zukünftig bestehen.

Im Jahr 2012 erschien nach einer Fülle von Kurzfilmprogrammen der erste gemeinsame Langfilm „Geistzeit“, auf 16 mm gedreht und auf 35 mm aufgeblasen. 2014 gingen zehn Minuten Analogfilm aus unserem Labor in den Film „Der Schmetterlingsjäger“ von Harald Bergmann ein. Im folgenden Jahr erschien in Zusammenarbeit mit dem nootheater / Berlin der zweite Langfilm „Morgenröte im Aufgang“. Für diesen Film erstellte Sector 16 etwa fünf Minuten s/w Analogfilm-Material. Es ist geplant, den nächsten Langfilm auf 35 mm zu drehen.

Klaus Weingarten 2015