Die Rettung der Filmsammlung Herbert Apelt – mustergültiges Engagement des Kreisarchivs Siegen (DA)

Das regionale Filmerbe ist bedroht: Sammlungsauflösungen und die gedankenlose Vernichtung von Analogfilmbeständen tragen zu dem unaufhörlichen Schwund dieses Erbes bei, das oft größte regionalgeschichtliche Bedeutung hat. Gelegentlich gibt es jedoch positive Ausnahmen zu vermelden – gelungene Rettungsaktionen wie die, mit der das Kreisarchiv Siegen und die Siegener Produktionsfirma mundus.tv den annähernd 1.000 Filmbüchsen umfassenden Nachlass des Kameramanns Herbert Apelt vor dem Verlust bewahrten.

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Der Filmnachlass Apelt nach der Sicherstellung durch die Firma mundus.tv. (Foto: mundus.tv)

Herbert Apelt (*1924, †2014) war Anfang der 50er Jahre, zu Beginn seiner Filmlaufbahn, als Kameramann des bestechend schönen Kulturfilms „Der Eisenwald“ (1953, Regie: Herbert Ladendorff) in Erscheinung getreten. Dieser Film gilt heute als der erste und bedeutendste Kulturfilm über das südwestfälische Siegerland. Prof. Dr. Manfred Rasch, Leiter des Geschichtsausschusses Stahlinstitut VDEh (Verein deutscher Eisenhüttenleute), bezeichnete den von Herbert Dreyer-Kulturfilme (Düsseldorf) produzierten „Eisenwald“ als „ein extremes Beispiel … nachkriegstypischer Verklärung der Wirklichkeit“, die sich sowohl in der „lyrische(n) Verfilmung einer Landschaft“ als auch in der dargebotenen „Agrar- und Industrieromantik“ niederschlage (1). Das Originalnegativ dieses historisch und kulturell wertvollen Films sowie des zeitnah von Apelt gedrehten Kulturfilms über das Sauerland, „Glocken über den Wäldern“, fanden sich 2014 im nahezu 1.000 16mm- und 35mm-Materialien umfassenden Nachlass des Kameramanns, der um ein Haar der Vernichtung anheimgefallen wäre: Denn das bestellte Entrümplungsunternehmen war schon vor Ort, handelte jedoch im Angesicht der Filmbüchsen bemerkenswert umsichtig. Eine im Nachlass aufgefundene Notiz führte die Entrümpler zu mundus.tv, dessen Geschäftsführer Alexander Fischbach Kameramann Apelt im Jahr 2005 kennengelernt hatte. Fischbach, der bereits regionalgeschichtliche Filme auf DVD herausgebracht hatte, erkannte die Bedeutung des Nachlasses und setzte alle Hebel in Bewegung, um denselben vollständig zu bergen – was mit Hilfe von Sponsoren und der Unterstützung des Kreisarchivars Thomas Wolf auch gelang. Statt vor der konservatorischen Verantwortung zurückzuschrecken, stellte das Kreisarchiv Siegen Räumlichkeiten zur Einlagerung des Filmschatzes zur Verfügung, zu dem auch, wie die Befundung ergab, leichtentzündliche Nitrozellulose-Materialien gehören. Der gesamte Bestand an Nitro- und Azetat-Materialien wird derzeit bei 18°C und 50% Luftfeuchte in einem Außenmagazin des Kreisarchivs eingelagert.
Unter den geborgenen Filmrollen befinden sich neben den obengenannten auch solche, bei denen unklar ist, wie sie in die Filmsammlung Apelts gelangten: etwa vollständige Werke von Luis Trenker („Berge in Flammen“, 1931, „Der Rebell“, 1932, „Der verlorene Sohn“, 1934, u.a.) und des deutschen Sensations- und Action-Filmers Harry Piel („Jonny stiehlt Europa“, 1932, „Sprung in den Abgrund“, 1933, u.a.), die besondere Raritäten darstellen. Auch die vorhandenen Schnittreste versprechen historisch interessante Funde, etwa Aufnahmen von Käthe Kollwitz in ihrem Atelier um 1933.

Mit Recht brachte daher Landrat Andreas Müller im April 2015 vor der Presse seine Freude darüber zum Ausdruck, „dass wir als Kreis Siegen-Wittgenstein etwas dazu beitragen können, diesen wichtigen und zugleich zerbrechlichen Kulturschatz für die Nachwelt zu erhalten, dessen Bedeutung weit über unsere Region hinausreicht.“ – Ach, wenn doch andere Kommunalarchive sich an dieser Haltung ein Beispiel nehmen würden!

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In den Räumen des Kreisarchivs hat die Filmsammlung ihre neue Bleibe gefunden. (Foto: Kreisarchiv Siegen)

 

(1) Manfred Rasch: „Der Eisenwald“. Der Siegerländer Heimatfilm der Nachkriegszeit. In: Manfred Rasch (Hg.): Das Siegerland. Eine Montanregion im Wandel. Essen: Klartext 2014, S. 281-324.

Mit Dank an Thomas Wolf, Siegen: www.siwiarchiv.de