Glossar

Dies Glossar soll auf unkonventionelle Weise vor allem die in unseren Texten akzentuierten Begriffe erläutern und verzichtet auf Vollständigkeit. Wir verweisen dafür auf das von der Technischen Kommission der FIAF herausgegebene Glossary of Film Technical Terms.

 

Bearbeitung (Herbst) Stand 18.8.2015

DANK an: Eva Orbanz, Harald Brandes, Stefan Drößler, Olaf Legenbauer, Bernd Upnmoor.

Archivfeste Speichermedien

sind physikalisch und chemisch stabile Trägermaterialien für analoge oder digitale Informationen, die so beschaffen sind, dass in ihnen unter anderem keine chemischen Stoffe enthalten sind, die einen chemischen Zerfall während der Langzeit-Lagerung bewirken können, wie z. B. säurefreie Papiere für Zeichnungen, Bücher und Fotografien.

Sie sind in der Lage, über viele Jahre, möglichst Jahrhunderte, und unter einfachen Lagerbedingungen die auf ihnen gespeicherten Informationen verlustfrei zu bewahren. Das lässt sich von den als Trägermaterial für Filme verwandten frühen Kunststoffen Nitrozellulose (Celluloid) und Azetat nicht behaupten. Je nach Fabrikations- und Lagerbedingungen lösen die in ihnen enthaltenen Chemikalien früher oder später Zerfallsprozesse aus, die ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr zu stoppen sind. Auch die in die Fotoschicht eingebetteten Farbpigmente bleichen mit der Zeit aus. Eine aufwändige Lagerung bei stark reduzierter Luftfeuchte, guter Kühlung und ausreichend starker Belüftung, vermag die Lebensdauer dieser historischen Filme drastisch zu verlängern. Dagegen schreibt man Schwarzweiß-Filmen auf Polyester-Unterlage eine Lebenserwartung von 500 bis 1000 Jahren zu. Dies archivfeste Speichermedium verträgt auch einfachere Lagerbedingungen.

Für die Speicherung großer digitaler Dateien hingegen, wie sie für hochauflösende Filme benötigt werden, ist ein chemisch und physikalisch stabiles Speichermedium noch nicht verfügbar. Solche Dateien werden auf Magnetbändern oder Festplatten gespeichert und müssen, um Datenverluste zu vermeiden, in Intervallen von wenigen Jahren regelmäßig kontrolliert und erneut überspielt, «migriert», werden. Man schätzt die Mehrkosten, die bei der Archivierung digitaler Speichermedien entstehen, auf das zehn- bis zwölffache des bei einer Archivierung auf analogen Polyesterfilmen zu erwartenden finanziellen Aufwands.

Für den nahe liegenden Ansatz, den bewährten 35mm-Polyesterfilm (Schwarzweiß), wie er auch für die Mikroverfilmung des deutschen kulturellen Erbes im Barbara- Stollen verwendet wird, in ein archivfestes Speichermedium für große digitale Dateien zu verwandeln, bietet seit September 2014 das norwegische Unternehmen Piql AS zum ersten Mal eine Lösung an. Für digitalisierte Akten, Urkunden etc. hat dieses Film-basierte Archivsystem seinen Praxistest inzwischen bestanden. Für die Daten eines hochauflösenden digitalen Films in der Größenordnung von über 10 Terabyte benötigt es aber zur Zeit noch entschieden zu viele Polyesterfilm-Rollen. Die amerikanische GROUP 47 verwies im November 2014 auf die „baldige“ Markteinführung ihres konkurrierenden Archivsystems DOTS. Es beruht auf Patenten von KODAK, dort wurde seine Entwicklung 2002 eingestellt. DOTS benutzt als Träger ½“ Metallstreifen aus einer speziellen Legierung, die mit einem Laser beschriftet werden.

HH

Blu-ray (BD)

Im Vergleich mit 2K/4K Digital-Cinema-Dateien (DCP)

Die Blu-ray-Disc (BD) speichert mit dem Code H264 (MPEG-4 AVC) oder in den Formaten VC-1 oder MPEG-2 stark komprimierte Bildinhalte mit einem violetten Laser auf Kunststoffscheiben in DVD-Größe. Die Anzahl der Pixel beträgt in der Bild-Breite 1920, in der Bild-Höhe 1080. Werden Filme im Format 4:3 abgetastet, verringert sich die Anzahl der Pixel in der Bild-Breite auf 1440, d.h. links und rechts des klassischen „Academy“-Filmformats erscheinen auf dem 16:9 Fernsehmonitor schwarze Balken.

Für die digitale Kino-Projektion nach der Norm des amerikanischen DCI-Gremiums haben D-Cinema-Dateien im 2K-Format eine Auflösung von 2048 x 1080 Pixel. Auf den ersten Blick ist diese Auflösung nur unwesentlich höher als die einer Blu-ray-Disc. Aber D-Cinema-Dateien werden als einzelne Frames im JPEG 2000-Format gespeichert, während Blu-ray-Dateien nur Keyframes und die jeweiligen Veränderungen abspeichern.

Außerdem besitzt eine D-Cinema-Datei (DCP/Digital Cinema Package) eine erheblich größere Farbtiefe und eine höhere Abtastrate. Für den normalen Kinozuschauer ist jedoch auf der Kinoleinwand zwischen beiden Formaten kaum ein Unterschied festzustellen. Das führt dazu, dass immer mehr Kinos mit einem FullHD-Beamer die leichter zugänglichen Blu-ray-Discs projizieren und diese wie D-Cinema-Dateien mit dem Verleiher abrechnen. In absehbarer Zeit ist aber damit zu rechnen, dass die Kinos auf die Projektion von D-Cinema-Dateien im 4K-Format (4096 x 2160 Pixel) umrüsten.

Die Hersteller geben den Blu-ray-Discs eine Lebensdauer bis zu 50 Jahren. Dem entspricht – bei normaler Lagerung – auch ungefähr die Lebenserwartung eines 16mm-Films auf Azetat-Trägermaterial.

Ein Blu-ray-Rohling ist im Gegensatz zu Film aber spottbillig und kann am heimischen Computer gebrannt werden, so wie auch die neuen, etwas teureren M-Discs. Dabei handelt es sich um anorganisch beschichtete Polycarbonatscheiben, deren Lebensdauer im Gegensatz zu CD, DVD und normaler Blu-ray nicht mehr von der Beschichtung sondern vom Trägermaterial limitiert wird. Die Hersteller versprechen eine Lebenserwartung von 500 bis 1000 Jahren. Sie wird auch von den Postproduktions-Häusern als Speichermedium angeboten.

Die Blu-ray-Disc-Association hat für Ende 2015 ein erweitertes Blu-ray-Disc-Format für ultrahochaufgelöste Filme mit den entsprechenden Playern angekündigt. Danach werden die neuen Player sowohl das herkömmliche Blu-ray-Format (AVC / 1920 x 1080 Pixel/ Full HD) wie auch das dem Ultra-HD-Fernsehen entsprechende Format (HEVC / 3840 x 2160 Pixel) bedienen. Man kann daraus eine geplante Koexistenz der beiden Formate für die nächsten Jahrzehnte ableiten, die an die Aufgabenteilung zwischen 16mm- und 35mm-Film erinnert, wie sie zu analogen Zeiten herrschte.

Diese Aufgabenteilung bezieht sich sowohl auf die Unterschiede in der Qualität und im Preis wie auch auf unterschiedliche Zielgruppen. Zu der Zielgruppe des mit dem 4K/DCP- Format der kommerziellen Kinos konkurrierenden neuen Blu-ray-Formats gehören zweifellos neben nichtkommerziellen Kinoveranstaltern, Cineasten und Festivals auch die Archive, zumal auch für die hochauflösende Blu-ray eine M-Disc-Variante zu erwarten ist. Die Formate des DCI-Gremiums, deren Inhalte nicht auf analogem Polyesterfilm gesichert wurden, werden auf absehbare Zeit auf die durch kontinuierliche Migration unsichere und kostenintensive digitale Archivierung auf Magnetbändern (z.B. LTOs) angewiesen sein, während mit der HEVC-M-Disc für alles andere demnächst ein archivfestes, migrationsfreies Speichermedium zur Verfügung stünde.

Früher oder später jedoch wird auch die Blu-ray der Bedrohung durch die mit deren Entwicklung einhergehende „Obsoleszenz der digitalen Medien“ unterliegen. (siehe: Obsoleszenz und digitale Medien) Da jedoch die Qualität der 35mm- Negative von den „4K“-HEVC-Discs fast restlos abgebildet wird, können Archive, die nur über begrenzte Mittel verfügen, darauf hoffen, dass ihr auf Blu-ray gespeichertes Film-Erbe frühestens in etwa 50 Jahren dann verlustfrei auf ein neues Speichermedium übertragen werden muss.

H.H. (11.4.2015)

Duplikatfilme

z.B: ORWO Duplikat-Positivfilm DP 31

Der ORWO Duplikat-Positivfilm DP 31 dient zur Herstellung von Zwischenpositiven (Masterpositiven). Auf Grund seiner panchromatischen Sensibilisierung eignet sich der Film nicht nur für die Anwendung im Schwarzweiß-Dup-Prozess, sondern er kann auch für die Herstellung tonwertrichtiger Schwarzweiß-Duplikat-Positive von Color-Negativen eingesetzt werden. Die herausragenden Merkmale dieses Filmtyps sind sein ausgezeichnetes Auflösungsvermögen und seine außerordentliche Feinkörnigkeit. Die neuartige, sich im Entwicklungsprozess entfärbende Reflexionslichthofschutzschicht garantiert höchste Schärfe und ermöglicht den Einsatz von klarer Polyesterunterlage. Damit wird modernen Anforderungen an eine Langzeitlagerung entsprochen.

z.B: ORWO Duplikat-Negativfilm DN 21

Der ORWO Duplikat-Negativfilm DN 21 dient zur Herstellung von Schwarzweiß-Duplikat-Negativen. Auf Grund seiner panchromatischen Sensibilisierung eignet sich der Film nicht nur für die Anwendung im Schwarzweiß-Duplikatprozess, sondern er kann auch zur Herstellung tonwertrichtiger Schwarzweiß-Duplikat-Negative von Farbpositiven eingesetzt werden. Die ausgezeichneten fotografischen und physikalischen Eigenschaften des DN 21 ermöglichen die Herstellung von Schwarzweiß-Kopien bester Qualität. Infolge seiner Polyesterunterlage ist der ORWO DN 21 prädestiniert für Langzeitlagerungen in den Archiven.

Quelle: Produktbeschreibung der Fa. Filmo Tec GmbH, Bitterfeld-Wolfen, Special Films 2011

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Farbauszüge (YCM/RGB)

Dass die Film-Bibliotheken der Majors in den USA für die Langzeitsicherung historischer Filme auf die klassische Technik der Farbauszüge setzen, lässt sich auch mit der langen erfolgreichen Tradition der Technicolor-Technik erklären. Um von den berühmten Technicolor-Streifen z.B. aus den dreißiger Jahren neue Farbkopien herzustellen, bedarf es keiner aufwändigen Farbrestaurierung wie bei den später eingeführten Mehrschichtenfarbfilmen von Kodak oder Agfa, deren in die Gelatineschicht eingelagerte Farbpigmente chemisch instabil sind; denn als Ausgangsmaterial dienen die bei optimalen Lagerbedingungen über 80 Jahre nahezu im Originalzustand erhaltenen Farbauszüge auf Schwarzweißfilm, die sogenannten „YCM’s“. Sie entstanden beim Dreh mit der klobigen Technicolor- Kamera, in der drei gleichzeitig durch die Kamera laufende Schwarzweißfilme – eben jene „YCM’s“ – mit der Hilfe farbiger Filter belichtet wurden. In späteren Jahren ließen sich auch von einem farbigen Mehrschichtnegativ der Hersteller Kodak, Agfa, Fuji, etc. auf einer Greifer-Kopiermaschine (Step-Printer) mit entsprechender Filterung nachträglich drei Farbauszüge auf Schwarzweißfilm erzeugen. Dafür benutzte man panchromatischen Positiv-Duplikat-Film, z. B. Eastman-Separation-Film. Der klassische Technicolor-Dye-Transfer-Kopierprozess, der dem Offset-Druck ähnelt und mit der Hilfe von 3 Matrixfilmen die Filmframes auf Blankfilm druckt, ist wie dieser subtraktiv und benutzt den Farbraum Yellow, Cyan und Magenta (YCM). Seit dem Auslaufen der Dye-Transfer-Technik werden moderne Farbauszüge von analogen Ausgangsmaterialien mit Step-Printern und von digitalen Dateien mit ARRilasern zur Langzeitsicherung auf Polyesterfilm ausbelichtet. Für den additiven Farbraum kommen rote, grüne und blaue Farbfilter zum Einsatz (RGB). Zur Re-Digitalisierung der Farbauszüge (Separation-Master) wird meist ein ARRiscan benutzt. Dieser Prozess ist sehr kostspielig, da aber für die fragile digitale Archivierung mehr als das Zehnfache der Kosten einer konventionellen Filmarchivierung aufgebracht werden muss, macht er sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte bezahlt.

[HH]

FIAF – Code of Ethics

(excerpt)

Film archives and film archivists are the guardians of the world’s moving image heritage. It is their responsibility to protect that heritage and to pass it on to posterity in the best possible condition and as the truest possible representation of the work of its creators.

Film archives owe a duty of respect to the original materials in their care for as long as those materials remain viable. When circumstances require that new materials be substituted for the originals, archives will retain a duty of respect to the format of those originals.

Film archives recognise that their primary commitment is to preserve the materials in their care, and – provided always that such activity will not compromise this commitment – to make them permanently available for research, study and public screening.

The following are specific statements of these general principles:

  1. The Rights of Collections:

1.1. Archives will respect and safeguard the integrity of the material in their care and protect it from any forms of manipulation, mutilation, falsification or censorship.

1.2. Archives will not sacrifice the long-term survival of material in their care in the interests of short-term exploitation. They will deny access rather than expose unique or master material to the risks of projection or viewing if the material is thereby endangered.

1.3. Archives will store material, especially original or preservation master material, in the best conditions available to them. If those conditions fall short of the optimum, archives will strive to secure better facilities.

1.4. When copying material for preservation purposes, archives will not edit or distort the nature of the work being copied. Within the technical possibilities available, new preservation copies shall be an accurate replica of the source material. The processes involved in generating the copies, and the technical and aesthetic choices which have been taken, will be faithfully and fully documented.

1.5. When restoring material, archives will endeavour only to complete what is incomplete and to remove the accretions of time, wear and misinformation. They will not seek to change or distort the nature of the original material or the intentions of its creators.

1.6. When providing access to material by programming, projection or other means, archives will seek to achieve the closest possible approximation to the original viewing experience, paying particular attention (for example) to the appropriate speed and the correct aspect ratio.

1.7. The nature and rationale of any debatable decision relating to restoration or presentation of archive materials will be recorded and made available to any audience or researcher.

1.8. Archives will not unnecessarily destroy material even when it has been preserved or protected by copying. Where it is legally and administratively possible and safe to do so, they will continue to offer researchers access to nitrate viewing prints when asked to do so for as long as the nitrate remains viable.

The International Federation of Film Archives (FIAF) brings together institutions dedicated to rescuing films both as cultural heritage and as historical documents.

texte entier en français…

full text in english

Quelle: FIAF

Film-Scanner

eine Auswahl von sieben erprobten System–Lösungen für unterschiedliche Aufgabenbereiche:

ARRI, München, ARRISCAN archive developments at IBC 2010
http://www.youtube.com/watch?v=vvd5WiIZjow

Blackmagic / Cintel – Scanner
Kosten ca. 30.000€
https://picturetools.de/Hersteller/Blackmagic_Design/Blackmagic_Cintel_Film_Scanner?NS=1
https://youtube.com/watch?v=anS6VHI9fkI

Vintage Cloud A/S – Tagensvej 85C – 2200 Copenhagen N – Denmark
Vintage Cloud Steenbeck (patent pending / based on Steenbeck’s famous film transport mechanics)
http://vintagecloud.dk/theproduct.php

KEM – Studiotechnik, Norderstedt
http://kem-studiotechnik.de/produkte/kemscan.html

MWA, Berlin, Flashtransfer vario:
http://www.mwa-nova.com/Products/Film_Transfer_Systems/flashtransfer_vario.html

Digital Heritage Service, Willich, 6K- 2K  Wetgate-Scanner
http://www.digitalhs.de/leistungen/6k-4k-2k-wetgate-scan/

Digital Film Technology, Darmstadt, Scanity
http://www.dft-film.com/downloads/datasheets/DFT-SCANITY-Datasheet.pdf