Blu-ray (BD)

Im Vergleich mit 2K/4K Digital-Cinema-Dateien (DCP)

Die Blu-ray-Disc (BD) speichert mit dem Code H264 (MPEG-4 AVC) oder in den Formaten VC-1 oder MPEG-2 stark komprimierte Bildinhalte mit einem violetten Laser auf Kunststoffscheiben in DVD-Größe. Die Anzahl der Pixel beträgt in der Bild-Breite 1920, in der Bild-Höhe 1080. Werden Filme im Format 4:3 abgetastet, verringert sich die Anzahl der Pixel in der Bild-Breite auf 1440, d.h. links und rechts des klassischen „Academy“-Filmformats erscheinen auf dem 16:9 Fernsehmonitor schwarze Balken.

Für die digitale Kino-Projektion nach der Norm des amerikanischen DCI-Gremiums haben D-Cinema-Dateien im 2K-Format eine Auflösung von 2048 x 1080 Pixel. Auf den ersten Blick ist diese Auflösung nur unwesentlich höher als die einer Blu-ray-Disc. Aber D-Cinema-Dateien werden als einzelne Frames im JPEG 2000-Format gespeichert, während Blu-ray-Dateien nur Keyframes und die jeweiligen Veränderungen abspeichern.

Außerdem besitzt eine D-Cinema-Datei (DCP/Digital Cinema Package) eine erheblich größere Farbtiefe und eine höhere Abtastrate. Für den normalen Kinozuschauer ist jedoch auf der Kinoleinwand zwischen beiden Formaten kaum ein Unterschied festzustellen. Das führt dazu, dass immer mehr Kinos mit einem FullHD-Beamer die leichter zugänglichen Blu-ray-Discs projizieren und diese wie D-Cinema-Dateien mit dem Verleiher abrechnen. In absehbarer Zeit ist aber damit zu rechnen, dass die Kinos auf die Projektion von D-Cinema-Dateien im 4K-Format (4096 x 2160 Pixel) umrüsten.

Die Hersteller geben den Blu-ray-Discs eine Lebensdauer bis zu 50 Jahren. Dem entspricht – bei normaler Lagerung – auch ungefähr die Lebenserwartung eines 16mm-Films auf Azetat-Trägermaterial.

Ein Blu-ray-Rohling ist im Gegensatz zu Film aber spottbillig und kann am heimischen Computer gebrannt werden, so wie auch die neuen, etwas teureren M-Discs. Dabei handelt es sich um anorganisch beschichtete Polycarbonatscheiben, deren Lebensdauer im Gegensatz zu CD, DVD und normaler Blu-ray nicht mehr von der Beschichtung sondern vom Trägermaterial limitiert wird. Die Hersteller versprechen eine Lebenserwartung von 500 bis 1000 Jahren. Sie wird auch von den Postproduktions-Häusern als Speichermedium angeboten.

Die Blu-ray-Disc-Association hat für Ende 2015 ein erweitertes Blu-ray-Disc-Format für ultrahochaufgelöste Filme mit den entsprechenden Playern angekündigt. Danach werden die neuen Player sowohl das herkömmliche Blu-ray-Format (AVC / 1920 x 1080 Pixel/ Full HD) wie auch das dem Ultra-HD-Fernsehen entsprechende Format (HEVC / 3840 x 2160 Pixel) bedienen. Man kann daraus eine geplante Koexistenz der beiden Formate für die nächsten Jahrzehnte ableiten, die an die Aufgabenteilung zwischen 16mm- und 35mm-Film erinnert, wie sie zu analogen Zeiten herrschte.

Diese Aufgabenteilung bezieht sich sowohl auf die Unterschiede in der Qualität und im Preis wie auch auf unterschiedliche Zielgruppen. Zu der Zielgruppe des mit dem 4K/DCP- Format der kommerziellen Kinos konkurrierenden neuen Blu-ray-Formats gehören zweifellos neben nichtkommerziellen Kinoveranstaltern, Cineasten und Festivals auch die Archive, zumal auch für die hochauflösende Blu-ray eine M-Disc-Variante zu erwarten ist. Die Formate des DCI-Gremiums, deren Inhalte nicht auf analogem Polyesterfilm gesichert wurden, werden auf absehbare Zeit auf die durch kontinuierliche Migration unsichere und kostenintensive digitale Archivierung auf Magnetbändern (z.B. LTOs) angewiesen sein, während mit der HEVC-M-Disc für alles andere demnächst ein archivfestes, migrationsfreies Speichermedium zur Verfügung stünde.

Früher oder später jedoch wird auch die Blu-ray der Bedrohung durch die mit deren Entwicklung einhergehende „Obsoleszenz der digitalen Medien“ unterliegen. (siehe: Obsoleszenz und digitale Medien) Da jedoch die Qualität der 35mm- Negative von den „4K“-HEVC-Discs fast restlos abgebildet wird, können Archive, die nur über begrenzte Mittel verfügen, darauf hoffen, dass ihr auf Blu-ray gespeichertes Film-Erbe frühestens in etwa 50 Jahren dann verlustfrei auf ein neues Speichermedium übertragen werden muss.

H.H. (11.4.2015)