Archivfeste Speichermedien

sind physikalisch und chemisch stabile Trägermaterialien für analoge oder digitale Informationen, die so beschaffen sind, dass in ihnen unter anderem keine chemischen Stoffe enthalten sind, die einen chemischen Zerfall während der Langzeit-Lagerung bewirken können, wie z. B. säurefreie Papiere für Zeichnungen, Bücher und Fotografien.

Sie sind in der Lage, über viele Jahre, möglichst Jahrhunderte, und unter einfachen Lagerbedingungen die auf ihnen gespeicherten Informationen verlustfrei zu bewahren. Das lässt sich von den als Trägermaterial für Filme verwandten frühen Kunststoffen Nitrozellulose (Celluloid) und Azetat nicht behaupten. Je nach Fabrikations- und Lagerbedingungen lösen die in ihnen enthaltenen Chemikalien früher oder später Zerfallsprozesse aus, die ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr zu stoppen sind. Auch die in die Fotoschicht eingebetteten Farbpigmente bleichen mit der Zeit aus. Eine aufwändige Lagerung bei stark reduzierter Luftfeuchte, guter Kühlung und ausreichend starker Belüftung, vermag die Lebensdauer dieser historischen Filme drastisch zu verlängern. Dagegen schreibt man Schwarzweiß-Filmen auf Polyester-Unterlage eine Lebenserwartung von 500 bis 1000 Jahren zu. Dies archivfeste Speichermedium verträgt auch einfachere Lagerbedingungen.

Für die Speicherung großer digitaler Dateien hingegen, wie sie für hochauflösende Filme benötigt werden, ist ein chemisch und physikalisch stabiles Speichermedium noch nicht verfügbar. Solche Dateien werden auf Magnetbändern oder Festplatten gespeichert und müssen, um Datenverluste zu vermeiden, in Intervallen von wenigen Jahren regelmäßig kontrolliert und erneut überspielt, «migriert», werden. Man schätzt die Mehrkosten, die bei der Archivierung digitaler Speichermedien entstehen, auf das zehn- bis zwölffache des bei einer Archivierung auf analogen Polyesterfilmen zu erwartenden finanziellen Aufwands.

Für den nahe liegenden Ansatz, den bewährten 35mm-Polyesterfilm (Schwarzweiß), wie er auch für die Mikroverfilmung des deutschen kulturellen Erbes im Barbara- Stollen verwendet wird, in ein archivfestes Speichermedium für große digitale Dateien zu verwandeln, bietet seit September 2014 das norwegische Unternehmen Piql AS zum ersten Mal eine Lösung an. Für digitalisierte Akten, Urkunden etc. hat dieses Film-basierte Archivsystem seinen Praxistest inzwischen bestanden. Für die Daten eines hochauflösenden digitalen Films in der Größenordnung von über 10 Terabyte benötigt es aber zur Zeit noch entschieden zu viele Polyesterfilm-Rollen. Die amerikanische GROUP 47 verwies im November 2014 auf die „baldige“ Markteinführung ihres konkurrierenden Archivsystems DOTS. Es beruht auf Patenten von KODAK, dort wurde seine Entwicklung 2002 eingestellt. DOTS benutzt als Träger ½“ Metallstreifen aus einer speziellen Legierung, die mit einem Laser beschriftet werden.

HH